Smütech

Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen

F7 Neues von Jaws und den Focus Braillezeilen

René Ludwig von der Fa. Optelec beantwortet im Smütech alle Fragen rund um den beliebten Screenreader Jaws und die neue Braillezeile von Vispero

11.09.2026 56 min

Zusammenfassung & Show Notes

**F7 Neues von JAWS und Focus-Braillezeile**

Focus 640 und JAWS 2026/2027: neue Braillezeile, HID, SMA und der kommende KI-Agent – Interview mit René Ludwig von Optelec

Die Focus fünfter Generation steht bei vielen von uns auf dem Schreibtisch. Jetzt kommt die Focus 640: 40 Zellen, sechste Generation, leichter, mit NFC-Kopplung wie bei AirPods, festem Ein-Aus-Schalter, Vier-Wege-Kreuzen statt Rocker Bars und Umschalttasten links und rechts neben der Leertaste. Eine 80er-Variante ist vorerst nicht geplant, die Focus 80 bleibt in der fünften Generation. Wer eine 5G hat, muss nicht wechseln – Firmware bringt HID auch auf die Bestandsgeräte.

In dieser F-Folge spricht Joachim Schulze „Jockl“ live bei Optelec in Chemnitz mit René Ludwig. Ludwig macht Organisation und Krankenkassenversorgung für die Niederlassung Ost, Support für Brailleprodukte deutschlandweit und mit einem Kollegen den JAWS-Händlersupport plus Lokalisierung für Vispero und Freedom Scientific. Zusammen gehen sie die Zeile Taste für Taste durch, erklären die Notizfunktion mit Liblouis statt RTFC, das Soft-Rollout der JAWS-Updates und warum Lizenzen 2022 und älter neu beschafft werden müssen.

Außerdem in dieser Folge:

- Warum 640 und nicht 680: mehr 40er als 80er, Modellpflege statt Rad neu erfinden
- NFC-Chip über der Menütaste: Zeile ans iPhone, Kopplungsdialog statt Bluetooth-Gefrickel
- HID: kein Extra-Treiber, Zeile wechseln ohne Neuinstallation, Härtetest über KVM-Switch
- SMA statt Einzelupdate: zwei Jahre Planbarkeit, dichtere Zyklen, weil Chrome, Edge, Firefox und Office nicht warten
- Windows-Narrator, der sich die Braillezeile schnappt – und warum der Händler der erste Ansprechpartner bleibt
- JAWS 2027 kommt: KI-Agent als Notanker für nicht barrierefreie Webseiten und Apps, jeder Schritt angesagt, Abbruch mit Escape, keine Passwörter, kein Dateisystem, kein OpenClaw
- Fehler nicht in die JAWS-Mailingliste werfen: Schritt A, Schritt B, erwartetes Ergebnis, Version – sonst kann Vispero nichts einstellen

Vermittlung über Krankenkasse oder Inklusionsamt wie gewohnt über Optelec, Unterstützung über Schulze IT.

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Transkript

Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen, dein Spezialist für Audioanleitungen, Schulung, Fernwartung und Fritzbox-Optimierung. Mehr Infos findest du auf www.schulze-graben.de. Und hier ist euer Gastgeber Joachim Schulze, Master of Business Administration, JAWS Certified IT-Trainer für Blinde und Sehbehinderte. Hallo und herzlich willkommen, heute wieder einmal zu einer F-Folge im Smütech. Und ich freue mich immer ganz besonders, wenn wir wieder einen interessanten Gast hier vor das Mikrofon bekommen. Und ihr hört schon, klingt ein bisschen anders, das ist nicht, ja, mein Büro. Und es ist, obwohl es vom Raumklang fast passen würde, auch nicht unser Wohn-Essbereich, wo Carina und ich manchmal gemeinsame Folgen aufzeichnen. Nein, wir sind heute ganz, ganz, ganz weit ab vom heimischen Herd. Naja, genauer gesagt 70 Kilometer, nämlich in Chemnitz, und zwar bei der Firma Optelec. Und da haben wir heute den René Ludwig hier zu Gast. Und ja, Sie sind Mitarbeiter der Firma Optelec. Herr Ludwig, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Ja, das machen wir doch gerne. Erzählen Sie doch mal ganz kurz: Sie arbeiten bei der Firma Optelec in welcher Funktion? Wir beide haben natürlich viel miteinander zu tun, aber ist ja für unsere Hörer auch ganz interessant. Also ich sag immer, ich habe sehr viele Funktionen. Also ich mache für unsere Niederlassung Ost, die sich hier bei uns in Chemnitz befindet, organisatorische Sachen wie zum Beispiel Termine und so weiter, auch Arbeitsplätze oder auch Versorgung über die Krankenkasse betrifft. Ich mache aber auch den Support für unsere Braille-Produkte und Software deutschlandweit. Und ich mache noch für die Softwareseite vom Vispero-Unternehmen, also wo Freedom Scientific dazu gehört, den Händlersupport für JAWS für Deutschland mit einem Kollegen zusammen und auch teilweise die Lokalisierung, also die Übersetzung für neue Funktionen. Wie gesagt, mit einem anderen Kollegen zusammen, wir teilen uns da ein bisschen rein. Ja, und da haben jetzt unsere Hörer auch schon gemerkt, wo sich dann immer wieder unsere Wege kreuzen, und kreuzen im positivsten Sinne. Denn ich freue mich immer ganz besonders, wenn wir mal wieder miteinander zu tun haben. Und ja, das ist auch immer ein sehr fruchttragendes Zusammenarbeiten. Ideen ergänzen, sage ich mal, also geht's mir da immer gut. Und wir wollen uns ein Produkt anschauen, das jetzt ganz neu auf den Markt kommt, nämlich die Focus 640. Wir wollen ein bisschen über das sprechen, was die Lizenzpolitik-Änderungen bei JAWS gebracht haben und ja, was es damit auch auf sich hat. Und ich glaube ehrlich gesagt, da können wir von keinem bessere Infos bekommen als von einem echten Insider wie Ihnen. Und darum freut's mich ganz besonders, heute hier sein zu dürfen. Ja, man glaubt es nicht: Die Focus fünfte Generation, die uns jetzt lange begleitet hat und die viele von euch auch zu Hause stehen haben, teilweise auch über uns vermittelt. Das geht dann immer über die Firma Optelec. Ist natürlich eine ganz interessante Sache, denn sie hat halt einfach einen großen Marktanteil. Und jetzt kommt also eine neue Braillezeile, die Focus 640. Warum denn jetzt ausgerechnet 640? Meine Frau hat vorher gefragt: Ja, wie ist das? Hat die dann 640 Braillemodule? Und ich habe mir gedacht: Ja, wäre eigentlich mal was ganz Interessantes. Aber nein, nein, sie ist ja sogar leichter geworden. Wissen Sie, warum die Zeile jetzt so heißt? Ich leite es eigentlich für mich selbst ab, oder nee, ich weiß es eigentlich genau: Die Focus, der Vorgänger wurde ja auch fünfte Generation genannt. Und auf die fünfte Generation folgt halt die sechste Generation, deswegen die sechs, und die vierzig, weil wir die Vierziger-Braillezeile haben. Bei der Achtziger sind wir immer noch bei der fünften Generation, und es wird es wahrscheinlich eher eine kleinere, aber das steht alles noch nicht so ganz fest. Auf jeden Fall deswegen 640. Okay, ganz wichtige Info, die Sie uns da gegeben haben: Die neue Braillezeile ist eine 40er-Braillezeile und es gibt sie noch nicht als 80er-Braillezeile. Das heißt, die Focus 680 ist erstmal auch gar nicht geplant. Also mir ist bis jetzt nichts bekannt, dass die jetzt schon irgendwie gebaut oder entwickelt wird. Ich bin aber jetzt natürlich auch – ich bin zwar, wie Sie schon sagen, Insider, aber ganz so Insider auch nicht. Aber im Prinzip das, was an der Zeile hier neu ist, betrifft viel die Notizfunktion und so weiter. Und das würde jetzt bei der Achtziger nicht so ins Gewicht fallen. Zumal man auch sagen muss, und das werden alle Hersteller Ihnen bestätigen: Die Achtziger-Zeilen – es werden mehr Vierziger verkauft, und der Verkauf von Achtziger-Zeilen geht schon ein Stück weit in den letzten Jahren zurück. Deswegen gibt es auch Firmen wie zum Beispiel HumanWare, die komplett mit Achtzigern aufgehört haben. Ja, verstehe ich absolut. Also ich persönlich wurde vom Integrationsamt bei meiner letzten Lizenzbeantragung ganz blöd angeguckt, so nach dem Motto: Ja, Herr Schulze, nehmen Sie doch eine Achtziger-Zeile, die brauchen Sie doch ganz bestimmt. Nee, ich wüsste nicht, was ich mit der anfangen soll. Also ich sehe das schon auch, also bei mir selbst: Ich habe immer mit Vierziger-Zeile gearbeitet. Und ja, ist natürlich klar, man richtet sich letztlich nach dem Trend. Wenn man etwas einfach nicht möchte, dann hört man natürlich irgendwann auf, es zu produzieren. Jetzt kommen wir doch gleich mal in medias res. Die Zeile, wenn man sie sich so auf den ersten Blick ansieht – dann muss ich sagen, ich hatte sie vorher schon mal in der Hand. Ja, es hat sich ein bisschen was verändert, aber eigentlich sieht das immer noch ganz klassisch aus wie eine Focus-Braillezeile. Also ich hab die jetzt vor mir, und ja, also ich hab ganz klassisch immer noch meine acht Brailletasten obendrauf, also über den Modulen und über dem Cursor-Routing. Die liegen ganz genau so perfekt zur Hand, wie es bei der fünften Generation auch war. Dazwischen habe ich den Menüknopf, der sieht jetzt ein bisschen anders aus. Und über den Menüknopf da wächst jetzt ein kleiner Hocker, oder man könnte natürlich auch sagen: ein Kreis. Was hat es denn mit dem auf sich, Herr Ludwig? Also nochmal ganz kurz zur Achtziger: Die Produktion wird natürlich nicht eingestellt, sondern es wird die fünfte Generation der Achtziger weiter produziert. Also bloß nochmal zum Verständnis. Genau, und dieser Knubbel da über der Menütaste, das ist ein NFC-Chip, der verschiedene Funktionen bekommen wird, die im Moment in der Software noch kommen. Wie man das vielleicht von Kopfhörern, von AirPods oder so kennt: Wenn man die Zeile dann in die Nähe des Smartphones bewegt, kommt dann automatisch ein Pop-up-Dialog und eine Kopplungsanfrage, und man kann dann sozusagen die Zeile koppeln. Weil ich weiß ja nicht, das werden Sie auch wissen, Herr Schulze: Es kommen öfters mal Anrufe, dann versuchen die Leute, das über die Bluetooth-Einstellungen zu koppeln, und es funktioniert dann nicht, und dann ist der Frust groß. Sozusagen erschlagen, weil das dann automatisch passiert. Ich wollte jetzt gerade sagen: Also das, was Sie mir hier gerade erzählen, das ist ja eigentlich die – ich nenne es jetzt mal ganz ehrlich – die Produktneuerung, die für ganz viele Menschen, gerade die eben große Schwierigkeiten mit der Touchscreen-Bedienung haben, ist das ja eigentlich der klassische Gamechanger, ne? Weil, ich meine, wie soll ich denn jetzt mich erst mal durch die Bluetooth-Einstellungen quälen? Und da sind ja die AirPods eigentlich ein Paradebeispiel. Und wenn die Focus das genauso können wird, dann ist das ja erstmal eine richtig coole Sache. Genau. Weiterhin wird das Ding auch noch mehr andere Funktionen haben. Zum Beispiel, dass man da mit einem entsprechenden Gegenpart als Lehrer den internen Speicher schnell wieder deaktivieren oder aktivieren kann, damit man nichts spickt sozusagen. Also da gibt's schon noch so einige Ideen. Dann gehen wir mal weiter zum Äußeren. Wir haben die 40 Cursor-Routing-Tasten und drunter die 40 Braillemodule. Das hat sich überhaupt nicht geändert. Sie sehen auch ehrlich gesagt genauso aus wie früher. Also ich bin ja persönlich ein Mensch – es gibt Leute, die sagen immer: Braille-Schriftbild ist mir das Allerwichtigste, was es gibt. Ich persönlich sage immer: Ja, Schriftbild macht was aus, aber am Ende muss halt das Gesamtkonzept passen. Und ich sage immer: Die Focus hat nicht das härteste und auch sicher nicht das allerstabilste Schriftbild. Und wenn ich mal ganz ehrlich bin, das hat sich auch bei der sechsten Generation für mich nicht geändert. Wie erleben Sie das? Also die Module wurden weiterentwickelt. Das ist offiziell sozusagen bekannt gegeben worden. Dadurch, dass die natürlich erst auf den Markt kommt, wird sich dann zeigen. Aber wir hatten ja bei der Focus 5 vor allen Dingen in den ersten zwei, drei Jahren einige Qualitätsprobleme. Da gehe ich mal fest davon aus, dass das jetzt mit der sechsten Generation da einiges gemacht wurde, dass da keine Probleme wieder auftreten in dem Maße. Was natürlich so generell: Die halten jetzt nicht mehr zehn Jahre, sondern müssen meistens schon nach drei, vier Jahren spätestens mal zur Reinigung, je nachdem, wie man damit umgegangen ist. Also das ist auch mal so eine Sache. Ich vergleiche das immer gerne, wenn Kunden mich fragen, sage ich immer gerne: Mit dem Auto musst du zum Kundendienst. Und wir haben halt unsere Braillezeilen jeden Tag im Einsatz. Da können wir nicht erwarten, dass sie das unbegrenzt ohne Pflege leisten. Gut, wenn wir weiter gucken – wir müssen noch kurz bei links und rechts neben den Modulen bleiben, das hat sich nämlich auch verändert. Die Rocker Bars und die Modustasten, genau. Sind jetzt zwei Steuerkreuzen gewichen, die in vier Richtungen zu bewegen sind. Macht das irgendeinen Sinn? Denn tatsächlich konnte ich das ja theoretisch, zumindest rauf, runter, mit den Rocker Bars auch schon machen. Genau, also die doppeln jetzt nicht die Kipptasten an der Front, sondern sie ersetzen auch die Auswahltasten. Das heißt, man hatte ja an der Front bei der alten Focus, bei der fünften Generation, links und rechts so kurz vor der Mitte eine Auswahltaste, wo man mit der rechten meistens was bestätigen konnte und mit der linken konnte man zum Beispiel das interne Menü verlassen. Die wurden auch für die automatische Weiterbewegen-Funktion von Joysticks benutzt, das nimmt aber wahrscheinlich kaum jemand. Und die sind jetzt so die linke und rechte Taste von diesen Vier-Wege-Navigationstasten, die jetzt oben drauf sind. Das Hoch und Runter ist immer noch auch im Dokument die Funktion, die man hatte, wo man dann zwischen zeilenweise und so weiter oder auch diesem Listenmodus und dem anderen Modus wechseln kann, wo man halt entscheiden kann, ob man da mit Tab oder Umschalt-Tab drücken will. Also die haben trotzdem noch teilweise die Funktion, die sie hatten. Und die Auswahltasten, die vorne jetzt weg sind, werden über die, je nach Kontext, dann auch ersetzt. Super. Dann gucken wir mal weiter an die linke Seite, etwas, das mir wahnsinnig gut gefällt: der Ausschalter und Einschalter. Na, das ist jetzt endlich mal ein richtiger ausgewachsener Knopf. Ja, da hat man jetzt nicht mehr dieses, ich möchte schon fast sagen, etwas fragile Konstrukt. Da ist man ja manchmal ein bisschen schief hingekommen, und das drei, vier, fünf Mal, und dann war der eigentlich mehr oder minder ab oder hat einfach kaum noch reagiert. Und das finde ich, hat man jetzt sehr gut gelöst. Denn man muss hier schon wirklich kräftig draufdrücken, damit die Focus sich aktiviert, und dann zeigt sie auch sofort ihren Akkustand an, also ganz so, wie man es auch von der Focus kennt und mag. Dann haben wir natürlich links daneben den USB-Anschluss, so wie das auch sein soll. USB-C, nehme ich an, da hat sich nichts geändert. Was natürlich ganz interessant ist: Ich drück jetzt gerade lange drauf und sehe, ich muss wesentlich länger draufdrücken als bei der fünften Generation, bis sie sich bequem ausschaltet. Glaube ich, ist auch so ein Stück weit dem geschuldet, dass sie vielleicht nicht so leicht ausgegangen ist, oder? Das kann sein, ist mir jetzt noch gar nicht so aufgefallen. Was mir auch gut gefällt: Rechts hat man die Zeile – das waren ja immer bei der fünften Generation diese Gummipuffer. Die hat man gelassen, aber man hat sie sehr viel angenehmer gemacht, dass im Prinzip die nicht mehr mit diesen Laschen sozusagen sind, die dann doch relativ starr sind. Ich habe nämlich da immer das Problem: Bei mir liegt da immer die Mittelhand. Das ist einfach von meinem Arbeitsplatz, von der Ergonomie nicht anders machbar. Und ich habe mir damit wirklich schon eine von diesen Aufhängungen bei meiner aktuellen fünften Generation durchgescheuert über die Jahre. Und das ist eigentlich sehr schade, weil das hätte gar nicht sein müssen. Und ja, da sind wir auch gleich wieder bei dem Thema: Die darf jetzt dann eben mal zum Kundendienst. Aber das gehört halt einfach auch dazu. Finde ich aber schön, dass man das hier besser gemacht hat. Ja, dann kommen wir mal zur Vorderseite. Und ich glaube, hier hat man die richtig großen Veränderungen. Denn man hat natürlich links und rechts ja immer noch die Daumentasten, ganz klar die Lesetasten. Die Ecken sind ein bisschen deutlicher. Also die Abstufung zur Leiste, wo die Tasten sitzen, ist ein bisschen deutlicher geworden. Finde ich sehr schön. Dann daneben – ja, wie heißen die eigentlich, wenn das andere die Rocker Bars sind? Wie heißen die, also mit denen wir auch rauf und runter gehen? Kipptasten. Wunderbar. Das klingt gut. Sie kippen. Coole Funktion bei der Focus, die man eigentlich, wenn man Focus-Nutzer ist, kennt und liebt. Denn das ist halt sehr schön, wenn ich mal eben nicht den Pfeil mitnehmen will, dann kann ich eben auch mal schnell nur mit der Zeile runter. Oder wenn ich den Pfeil mitnehmen will, das ist zum Beispiel was, was ich sehr gerne mache, dann gehe ich die ersten vierzig Zeichen immer mit der Lesetaste runter und nehme dann im Endeffekt die Pfeiltasten mit runter. Hat jahrzehntelange Focus-Nutzer, ne? Genau. Dann, wenn wir weitergehen, stellt der eine oder andere fest: Nach den Kipptasten ist erstmal Feierabend, denn da kommt Plastik. Das heißt, die Umschalttasten sind unten weggefallen, die liegen nicht mehr am Daumen. Wir haben dann noch eine Taste in der Mitte unter der Leertaste. Was macht die denn? Die hat noch keine spezielle Funktion bekommen. Ich glaube, im Moment ist es in JAWS so belegt, dass sie zum Cursor geht, aber bin ich mir jetzt auch gar nicht sicher. Wie gesagt, diese Taste ist noch vakant. Die wird noch irgendeine coole Funktion dafür gesucht, sage ich jetzt mal. Was man jetzt gemacht hat mit den Umschalttasten: Die sind natürlich nicht weggefallen, sondern man hat sie links und rechts von der Leertaste platziert. Und ganz ehrlich gesagt, das finde ich richtig cool, ja? Weil – also gut, ich bin jetzt jemand, ich schreibe sowieso eigentlich immer mit Punkt sieben groß, von daher tut mir das jetzt nicht so ganz weh, sage ich mal. Oder am iPhone, wenn ich in Vollschrift schreibe, ganz normal mit Punkt vier sechs. Aber dann muss ich doch sagen: Ja, es ist halt schon besser da, als immer runtergreifen zu müssen und dann wieder die Taste erst zur Hand zu haben, als wenn ich eigentlich nur den Daumen nur ein kleines Stückchen schieben lassen muss und dann ist sie sofort da, wo sie hin soll. Ja, und dann haben Sie vorher schon angesprochen, Herr Ludwig: Ganz revolutionär erneuert wurde die Notizfunktion. Was ist denn mit der Notizfunktion passiert? Was hat man da gemacht? Ja, also ich würde eher von Evolution sprechen. Aber die Notizfunktion hat halt, dadurch, dass die ganze Zeile jetzt einen potenteren Prozessor gekriegt hat, die drei Übersetzungstabellen dazu bekommen, sodass man auch Kurzschrift sozusagen aus- und eingeben kann. Das ist noch nicht auf dem Punkt, wo wir es in Deutschland gerne hätten, weil RTFC noch nicht drin ist, sondern Liblouis. Was ja zumindest für die Ausgabe aber erstmal vollkommen in Ordnung ist. Aber es ist wie bei allen aktuellen Produkten so, und das war ja auch bei der Focus 5: Die Funktion wird dann halt auch nach und nach durch Software-Updates erweitert. Und da wird hier in der Richtung garantiert dann noch was passieren, wenn man die Zeile hat und wenn dann halt nach und nach noch Funktionen dazukommen. Ich denke, das ist ein Punkt, den muss man sehen. Der ist natürlich inzwischen auch in der Braillezeilen-Welt angekommen: Ohne Software-Updates geht heute einfach gar nichts mehr. Also das ist einfach so: Hardwaretechnisch sind gewisse Grundvoraussetzungen geschaffen, und der Rest muss dann einfach über die Software passieren. Ja, das klingt erstmal hochinteressant, was die Hardwareseite angeht. Und Software, da sind wir jetzt auch schon beim nächsten Thema, nämlich HID-Support. Das heißt Human Interface Device, wenn ich das glaube ich recht im Kopf habe. Haben wir am Freitag vor einer Weile mal im Smütech drüber gehört, als der Herr Freihof bei uns im Interview war. Ja, denn das Mikey Pro kann das auch. Aber natürlich die Jungs und Mädels von Vispero wissen Gott nicht umsonst: Weltmarktführer wird man einfach nicht, da muss man schon was tun dafür. Und das ist ganz klar, denn die Focus kann jetzt auch HID-Support. Und was ich persönlich ganz, ganz toll finde: Es kann nicht nur die neue 640. Es kann nicht nur die neue 640, sondern auch für die fünfte Generation gibt es ein Firmware-Update. Und das finde ich persönlich schon richtig ordentlich, dass man hier sagt: Hey, man nimmt einfach noch die ganzen Bestandskunden mit. Erklären Sie uns den Hörern, die vielleicht die vergangene Folge nicht so mitgekriegt haben: Was ist denn der große Vorteil, wenn die Braillezeile jetzt HID unterstützt? Also der Vorteil von HID ist einfach, dass die Geräte, die HID unterstützen, keine Treiber brauchen. Die werden von jedem Betriebssystem automatisch eingebunden. Man hat das im Prinzip seit Jahren schon mit Tastaturen und Mäusen. Und dann merkt man das ja auch, wenn man eine Tastatur kauft, die steckt man einfach an. Okay, bei manchen ist noch irgendwelche Software dabei, die ist aber eigentlich meistens nur, ja, dekorativ. Und bei Braillezeilen war es halt auch so, dass HID jetzt eine Belegung zur Verfügung stellt, die bei allen Zeilen passt. Und das führt halt dazu, dass man keinen Extratreiber mehr installieren muss. Spielt für JAWS-Nutzer denke ich jetzt erstmal keine große Rolle, weil da wird sich wahrscheinlich nicht groß was ändern. Nö, also bei JAWS kann man – und das ist jetzt eigentlich bei mehreren Braillezeilen so, auch bei denen von HumanWare – kann man im Moment dann über die alte oder die neue Variante benutzen, also über HID oder auch über die herkömmliche Weise. Also wenn ich jetzt eine neue Focus-Zeile hier anschließe, hat JAWS automatisch den HID-Treiber in den aktuellen Versionen drin, und dann heißt das sozusagen, dass dann die Zeile automatisch erkannt wird. Ich kann auch dann irgendwie eine andere Zeile mal anschließen, ohne dass ich jetzt wie früher die neu installieren muss oder hinzufügen oder die Standard-Braillezeile ändern oder so. Das sollte jetzt eigentlich auch ohne JAWS neu starten zu müssen oder so. Vor allen Dingen eben, wenn es nicht HID ist – aber mit dem HID-Treiber ist dann eigentlich alles erschlagen sozusagen. Ganz tolle Sache, muss ich ehrlich sagen. Weil das dürfte ja auch dann ein bisschen diese Abstürze lindern, wie ich sie sehr häufig erlebe, wenn eben die Zeile schnell mal aus dem Schlafmodus aufwacht und JAWS nicht rechtzeitig mitkommt und sich dann im Endeffekt auch immer, oder tatsächlich eben auch die Zeile JAWS zum Absturz bringen. Ich denke, das müsste ja dann alles mit HID eigentlich ein Stück weit besser werden. Das sollte durchaus so sein. Also ich kann es jetzt bei meiner Zeile nicht so sehr bestätigen. Ich mache eigentlich auch den absoluten Härtetest, weil ich hier auf meinem Büro zu Hause sozusagen den Privatrechner und den Firmenrechner über eine Tastatur-KVM, also über so einen Switch, dann tatsächlich auch noch so gefühlte dreißig Mal am Tag, oder zwanzig Mal am Tag, je nachdem, mal hin und her schalte. Und dann muss die Zeile sich immer bei jedem Rechner bei dem einen abmelden und bei dem anderen wieder anmelden. Und das funktioniert eigentlich recht gut. Und das machen Sie über den HID-Modus. Genau. Super. Ja, klar, das erklärt es. Die waren, glaube ich, somit die ersten, also Handy Tech und der BIX-Serie. Genau, richtig. Also da muss man klar sagen: Da hat Focus jetzt nicht das Rad neu erfunden, aber sie haben halt einfach aufgeschlossen und eine wichtige Funktion implementiert. Ja, und damit sieht man auch ganz klar wieder: Wer eine Focus 5G hat, der braucht jetzt nicht auf die 640 zu wechseln. Aber bei wem's Zeit für eine neue Zeile wird, der wird auf jeden Fall mit der Focus 640 sicherlich kein Downgrade erleben, sondern ganz im Gegenteil eher noch einige tolle Verbesserungen dazu bekommen. Und Sie haben im Vorgespräch ein ganz tolles Wort gebraucht, das eigentlich ein bisschen aus der Autoindustrie stammt. Es ist eigentlich eine Modellpflege, und das hat mir sehr gut gefallen. Das bedeutet für mich weniger, dass man hier nichts in die Entwicklung gesteckt hat, sondern ganz im Gegenteil, dass man versucht hat, das, was gut funktioniert hat, mitzunehmen. Ja, es ist ja auch bei Brillen, wie auch bei Smartphones. Wenn ich jetzt den Apple-Event, der uns bevorsteht, nicht vorwegnehmen will: Es ist auch hier so, dass die wesentlichen Sachen erfunden, ausprobiert wurden. Manche haben sich bewährt, manche nicht. Und dann kann man jetzt nicht das Rad nochmal komplett neu erfinden. Genau. Und damit haben wir auf jeden Fall ein ganz tolles neues Produkt, das uns blinden Nutzern zur Verfügung steht, das wir über die Krankenkassen beziehen können oder eben auch über Arbeitgeber, also sprich dann Inklusionsämter und so weiter und so fort. Gerne unterstützen wir, wie ihr es ja auch von uns kennt, beide Vermittlungen dann durch die Firma Optelec. Jetzt kommen wir noch zu einem weiteren Punkt, den ich eingangs schon angesprochen habe, nämlich: Die Update-Politik von Vispero hat sich geändert. Für uns Deutsche gar nicht so sehr, oder man muss ja eigentlich sagen: für uns Europäer. Denn die Amerikaner haben eigentlich schon lange ihr Abo-Modell. Und ich hatte so ein bisschen die schwache Hoffnung, dass es doch mal auch nach Deutschland kommt. Ja, dass halt auch vielleicht so der eine oder andere, der ja jetzt immer noch so ein bisschen von JAWS zurückschreckt, dann eher sagt: Gut, okay, dann wechsle ich auf ein Abo, dann weiß ich einfach, pro Jahr habe ich einen festen Betrag X, den bezahle ich, und gut. beziehungsweise da kann man es ja sogar auf Monat aufsplitten, was dann für viele Leute natürlich noch interessanter wird. Bei uns hat das ja ein bisschen anders funktioniert. Da ging es vor allem auch um die Sicherstellung des Supports, weil natürlich die leben müssen. Habe ich das so richtig im Kopf? Ja, das ist die eine Sache. Und der Support sollte halt auch ein bisschen erleichtert werden. Weil mit den, sag ich mal, rapiden Updates, die wir sonst so in der Software-Industrie haben – also was jetzt Windows angeht, was Browser angeht, E-Mail-Client, auch Office – wird es immer schwieriger, Support für alte Versionen zu leisten. Das ist einmal für die Händler schwierig, für uns schwierig, und es ist aber auch für die Nutzer schwierig. Weil bei den Nutzern bleibt dann eigentlich nur hängen: Das geht nicht, das funktioniert nicht. Und im Zweifel liegt es an JAWS, weil, keine Ahnung, mein sehender Partner kann ja mit dem Office 2010 noch problemlos arbeiten. Und deswegen mussten da schon die Versionen aktueller gehalten werden. Wir sind jetzt bei 2026. Alles, was unter 2023 noch auf irgendwelchen, bei irgendwelchen Nutzern ist, also die Lizenz sozusagen, also 2022 und kleiner, muss halt neu beschafft werden. Und wenn Updates gemacht werden, sollte man halt zwingend auch im Voraus dann gucken, dass man für die nächsten ein, zwei Jahre Ruhe hat. Das ist auch für den Nutzer sinnvoll, weil er dann nicht jedes Mal wieder zum Augenarzt rennen muss und eine Verordnung holen. Und es ist auch sinnvoll, weil man dann eben die beste Nutzererfahrung hat. Weil man eben dann nicht mit einem JAWS 2023 und einem Office 365 oder einem Chrome oder einem Firefox, was jetzt aktuell ist, arbeiten muss und einfach dann merkt: Das passt nicht zusammen. Weil das 2023, als es installiert wurde, noch gar nichts von den neuen Versionen der normalen Anwendungsprogramme wusste und deswegen darauf natürlich auch nicht abgestimmt ist. Genau, da haben Sie jetzt einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Es hat sich ja insofern verändert – für alle, die das jetzt nicht mehr ganz im Kopf haben, war ja auch letztes Jahr, als wir darüber berichtet haben über die Änderung der Lizenzpolitik. Es ist ja so, dass man jetzt im Endeffekt nicht mehr Update für Update kauft, sondern ein SMA, ein Maintenance Agreement, oder zu Deutsch Wartungsvertrag. Ganz altmodisch, ja, so was gab's bei uns auch schon lange, nur halt eben nicht für JAWS. Der dann eben zwei Jahre gilt und nicht mehr versionsabhängig zwei Stück. Was natürlich auch ein Stück weit Planbarkeit in die Sache bringt. Denn man weiß einfach: Gut, man hat zwei Jahre für Betrag X Ruhe, und dann ist alles gut. Und in dieser Zeit hat sich natürlich jetzt auch die Update-Frequenz massiv erhöht. Und ich denke, das ist natürlich auch heute mit der rapiden Weiterentwicklung von Windows wirklich ein ganz, ganz großes Thema. Denn anders ist es eigentlich gar nicht mehr möglich, mitzuhalten mit den Betriebssystemen heute. Erleben Sie das auch so? Ja, genau. Also ich bin auch teilweise mit in den Entwicklungsteams ein bisschen mit drin, weil ich ja auch die Übersetzung teilweise mitmache. Und da kriegt man halt dann wirklich mit, dass gerade bei den Browsern, wenn ich jetzt Chrome und Edge mir anschaue, da wird ja ständig was gemacht. Man merkt es selber. Also bei Edge merkt man es, glaube ich, eher nicht, weil das über Windows Update geht. Aber wenn ich jetzt Chrome oder wenn ich Firefox starte, dann kriege ich fast zweimal in der Woche oder so ein Update-Dialog zu sehen. Und das fordert natürlich auch Screenreader-Hersteller heraus, damit Schritt halten zu können. Jetzt ist es einigen Kunden und mir auch schon passiert, dass es eben auch Updates gab, die halt nicht ganz so sauber gelaufen sind, ja, wo dann eben auch JAWS häufiger abgestürzt ist, und, und, und. Das hat sich dann für gewöhnlich eigentlich immer mit dem nächsten Update wieder gefixt. Aber es ist natürlich schon was, wo, sage ich jetzt mal, auch klassische Nutzer erst mal drüber stolpern, die jetzt vielleicht auch nicht so technisch affin sind, die dann erst mal sagen: Uiuiui, das hatte ich mir jetzt eigentlich so nicht vorgestellt. Ist das auch ein bisschen der jetzt so dichten Update-Frequenz geschuldet, dass da einfach keine Zeit zum Testen bleibt? Es gibt eigentlich wie immer auch die Tester, die es vorher gab, also eine private Beta-Testgruppe, und die immer noch, ich glaube, sogar erweitert wurde. Aber die Zeiten sind natürlich, die Zyklen sind kürzer geworden. Was wir jetzt auch machen, ist so ein sogenanntes Soft-Rollout. Also wenn jetzt ein Update kommt, wie zum Beispiel letzte Woche für August, dann wird es halt so gemacht, dass, wenn das Update veröffentlicht wird, dann werden erst mal nur, keine Ahnung, ich glaube, zehn Prozent der Benutzer das bekommen. Und das wird dann langsam gesteigert. Manchmal kommt dann die Nachfrage: Ja, mein Kumpel hat jetzt schon ein Update angeboten gekriegt, ich noch nicht. Woran liegt denn das? Das verstehe ich gar nicht. Das liegt einfach daran, dass es auch bei anderen Software-Herstellern so ist, dass das eben nicht alle mit einem Umschalten bekommen, sondern dass es über Tage sozusagen dann immer ein bisschen hochgefahren wird. Super. Ist ja bei Apple genau das Gleiche. Also wie Sie sagen, bei eigentlich allen großen Softwareherstellern ist das auch eine Art von Prozessüberwachung: auch zu gucken, okay, wir machen erstmal eine kleinere Gruppe, gucken, wie läuft das Ganze. Hängt auch ein bisschen damit zusammen, dass man keine Server überlasten will, und, und, und. Also man sieht schon, hier ändert sich viel bei Vispero. Und das finde ich immer ganz wichtig. Dass die mal sagen: Herr Schulze, ich will ja keinen JAWS, weil die sind ja immer so teuer und die kommen ja gar nicht hinterher. Wenn ich mir da mein NVDA anguck, dann muss ich einfach inzwischen klar sagen: Also was die Lückenschließung angeht zwischen JAWS und NVDA – das war lange so, dass NVDA da teilweise wirklich ein bisschen fixer war. Ist aber auch eine ganz andere Basis. Aber inzwischen muss man ja ganz fair und ehrlich sagen: Also wenn es Probleme mit einem Programm gibt und das wirklich ein Programm ist, was auch genügend Leute nutzen – also gerade WhatsApp ist da immer ein schönes Beispiel –, dann kann man davon ausgehen, dass JAWS das eigentlich sehr, sehr, sehr zeitnah mit einem Update wieder gefixt kriegt. Also das bemerke ich als, ja, doch sehr ausgiebiger Nutzer von beiden Screenreadern eigentlich schon sehr positiv. Ja, das ist halt auch immer das, was man – natürlich, wenn man ein Problem hat, ist es logisch, dass man das möglichst sofort behoben haben will. Aber ich erkläre es dann halt auch immer: Also wir haben halt dann wirklich, wenn jetzt jemand ein Problem meldet, zum Beispiel, dass irgendwie bestimmte Navigation – also ich hatte jetzt zum Beispiel einen Kunden, der hat halt gesagt: Wenn ich absatzweise navigiere, dann sagt mir das auch fälschlicherweise den Dokumententitel mit an. Gibt man dann weiter, oder es wird sozusagen als Bug, als Fehler erfasst. Aber die werden dann natürlich priorisiert. Und wenn da irgendwo ein Absturz ist oder irgendwie zum Beispiel WhatsApp wieder mal komplett ihre Benutzeroberfläche ändern und da muss nachgearbeitet werden – das sind ja Tausende von mehr oder weniger Fehlern oder Wünschen oder was auch immer, einfach Support-Anfragen. Und da muss natürlich dann geguckt werden: Wir haben eine bestimmte Anzahl von Entwicklern, was wird zuerst gemacht, was ist am wichtigsten. Und natürlich ist klar: Für denjenigen, der das Problem hat, ist seins natürlich immer am wichtigsten. Aber man muss dann halt die Gesamtzahl der Sachen, die auf dem Tisch liegen, die gemacht werden müssen, durchgucken und muss Prioritäten setzen. Weil es vielleicht entweder einen sogenannten Workaround gibt, also ich kann es auch irgendwie anders machen, oder irgendwas anderes einfach wichtiger ist. Genau. Und da sind wir jetzt auch bei einem Punkt, wo ich persönlich jetzt einfach mal eine Lanze für den Support brechen muss von euch und letztlich auch Vispero, was ja ihr dann seid als ein Unternehmen der Vispero. Es ist natürlich auch so für uns, ich sag jetzt mal, letzte Meile arbeiten. Denn die dann eben ganz oft auch beim Kunden rumgeistern – Probleme zu lösen, Fehler zu finden, ist es einfach auch gar nicht mehr unbedingt möglich, immer sofort alles rauszufinden, wo denn jetzt eigentlich der wirkliche Bug, der wirkliche Fehler liegt für etwas Bestimmtes. Weil wir natürlich inzwischen durch die wahnsinnig schnelllebige Windows-Entwicklung, durch die ja auch rasante Entwicklung von Apps und Programmen und nicht zuletzt durch die Notwendigkeit, die sich daraus ergibt, dass JAWS sich hinterherentwickeln muss – ja, im Endeffekt, es ist ja immer hinterher, weil JAWS kann ja nie vorauslaufen, weil Windows hat einfach den viel stärkeren Motor, ne? Also JAWS muss am Ende da ein bisschen mitlaufen, es geht nicht anders. Sind Situationen, wo man dann einfach eine Mail hinschreibt: Ich habe bei Kunde X dieses und jenes Problem. Und dann da auch wirklich schon ganz oft super Input kam, wo ich mir dann dachte: Yo, super, das hat funktioniert. Also ein ganz klassisches Beispiel möchte ich jetzt noch nennen, ohne dass wir jetzt zu sehr in die Technik abgleiten, weil das sicher auch der eine oder andere Hörer miterlebt hat. Ich hatte das Problem: Es kam Ende Juli ein großes Windows-Update, und wir hatten da gerade Besuch aus dem Norden. Und ich war da auch nicht so groß auf den Rechner fokussiert und hatte am nächsten Tag eine Schulung und setzte mich tatsächlich, weil es ein bisschen knapp war und man noch ein bisschen viel zu tun hatte, zwanzig Minuten vorher an den Rechner und stellte fest: Mist, meine Focus läuft nicht mehr. So, dann rattern erstmal die Rädchen. Okay, Ausschlussverfahren, Fehlerprotokoll, Kabelchecken, schnell Kabel wechseln. Nein, Kabel war's nicht. Okay, gut, dann schauen: Zeile ausgewählt bei JAWS, und, und, und, und so weiter und so fort. Und ich habe gefummelt, gefummelt, gefummelt. Ich hab's dann erstmal temporär über Bluetooth gelöst, war einfach das Schnellste, was ich machen konnte. Und was glauben Sie, was der Fehler war? Haben Sie eine Idee, Herr Ludwig? Fangfrage. Ich vermute mal, es wird wohl der Windows-Narrator gewesen sein, der sich die Braillezeile geschnappt hat. Der Kandidat hat hundert Punkte. Und drum sind wir so dankbar für den Support, den hier Optelec leistet. Genauso ist es. Es war natürlich der Windows-Narrator, der im Endeffekt einen anderen Treiber installiert hat und der recht wichtig fies ist, weil der grundsätzlich alle Braillezeilen kapert. Also das hat auch nichts mehr mit Übernehmen zu tun, sondern das ist wirklich eine gewaltsame Eroberung. Ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen. Dass man kein Problem – man kann den einfach deinstallieren, das geht alles, aber auch das ist halt wieder ein bisschen Gefummel. Herr Ludwig hatte Urlaub, Herr Schulze hat's dann selbst rausgefunden. Aber es ist halt schon immer eine Sache, wo auch die Arbeit immer komplexer im Support wird. Wo man wirklich sagen muss, das ist einfach auch eine Geschichte, was ich den Leuten mal sage, wenn sie mich fragen: Ja, wieso haben Sie da keine Zeit? Sage ich: Wir können nur in unseren Schulungszeitfenstern arbeiten, weil ich einfach ansonsten auch sehr viel mit den – ja, ich sag immer – Drumherum-Tätigkeiten beschäftigt bin, wie eben zum Beispiel Lösen von Support-Anfragen. Weil das eben, und das ist jetzt ganz egal, ob JAWS oder Apple, einfach alles immer diffiziler und komplexer wird und da muss man auch sehr viel Zeit in Recherche investieren. Ansonsten, ja, hat man am Ende einfach ein Problem. Und wir sind ja da und bestrebt und bemüht, die Probleme von euch zu lösen. Ja, ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten: Vispero ist auf einem guten Weg, JAWS ist auf einem guten Weg. Jetzt die Frage, die uns natürlich alle interessiert: Gibt es ein JAWS oder wird es ein JAWS 2027 geben? Ähm, ja, es wird ein JAWS 2027 geben. Es wird genauso wie in vorherigen Versionen so sein, dass jetzt nicht mit einem Schlag alle zig neuen Features kommen, sondern das wird wieder über die jährlichen, monatlichen Updates dann ausgerollt. Was halt jetzt auf jeden Fall dazu kommt, was wir auch schon hier und da mal demonstriert haben, ist halt eine KI-Agent-Funktion, die einem halt hilft auf der einen oder anderen Webseite oder in der einen oder anderen Anwendung, wo man nicht weiterkommt, eventuell da mal was anzuklicken oder was sozusagen im Auftrag des Nutzers zu erledigen. Wow. Und auch die Accounts werden voraussichtlich nach Europa irgendwann kommen. Ob das jetzt im Oktober schon mit dem Release ist, weiß ich noch nicht, weil es muss auch natürlich alles DSGVO-konform gemacht werden. Aber wir müssen die einfach einführen, weil die KI-Anbieter wie OpenAI und Claude und wie sie alle heißen sozusagen bestimmte Altersgrenzen und bestimmte Anforderungen an ihre Nutzer haben, die dann natürlich auch die Firmen, die die Dienste nutzen, erfüllen müssen, damit es alles rechtlich sicher ist. Also das ist ja ein ganz großes Thema. Wir haben da auch schon in einigen Veranstaltungen drüber gesprochen. Es ist ja wirklich das Thema DSGVO-Konformität, gerade im Firmenkontext oder in beruflichen Kontexten, ganz großes Thema bei uns in Deutschland. Und wer uns kennt: Wichtig ist da natürlich ganz klar – Optelec als sozusagen deutsches Unternehmen – wichtig ist da natürlich ganz klar: Es muss am Ende irgendwie laufen. Und wir können es uns natürlich bis zu einem gewissen Grad nicht mehr leisten, auf KI-Funktionen zu verzichten, gerade wenn es eben ums Thema Bildbeschreibungen, Diagramme erfassen und so weiter geht. Ich sag's auch immer ganz bewusst zu den Leuten: Also gerade Thema sprechendes Bild ist ja bei Diagrammen sehr beliebt oder auch bei Charts oder anderen grafischen Darstellungen. Das ist natürlich super. Ich muss aber halt immer im Hinterkopf behalten: Ich darf das niemals mit sensiblen Daten machen. Weil wir haben halt immer noch das Problem: Das Zeug geht online und läuft letztlich über OpenAI oder irgendeinen anderen Server, wo das Ganze halt eventuell nicht DSGVO-konform bleibt. Also wenn diese KI-Support-Funktion kommen wird in JAWS: Wie wird sie heißen, und vor allem, wenn sie kommt, was soll sie dann können? Den Namen gibt's tatsächlich noch nicht, also es gibt nur Arbeitstitel. Sie wird im Prinzip eine agentische Funktion sein, wie wir jetzt ja auch schon bei bestimmten KI-Anbietern haben. Aber im Gegensatz dazu wird sie sozusagen auf den JAWS-Personenkreis, also wer JAWS halt nutzt, zugeschnitten sein. Das heißt, erstes Mal wird es immer sagen, und zwar mit der Stimme, die man auch dann in JAWS hat. Also es wird einen neuen Stimmenkontext geben, dass man sagen kann: Ich habe für die Aussagen der KI-Funktion eine andere Stimme, oder ich habe auch die gleiche, das ist völlig egal. Es wird immer sagen, was es macht, also jeden Schritt. Ich sehe, wo der Bestellbutton zum Beispiel ausgegraut ist, aber ich habe auch kein richtiges Kontrollfeld, was ich finde, um die Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Plus mal so als Beispiel: Dann kann ich dem halt per Prompt einfach sagen: Hier, ich habe hier das Problem, guck mal, dass du das anhakst, dass du den Haken da setzt. Ich will dann aber selber auf Bestellen klicken. Mach nur das. Oder dann, wenn du das geschafft hast, gleich auf Bestellen. So, und dann sagt es halt jeden Schritt, den es macht, den es tut. Und ich kann dann jederzeit mit der Escape-Taste auch das sofort sozusagen abbrechen, wenn ich jetzt sage: Der macht jetzt hier irgendwas, oder das will ich jetzt gar nicht. Weil es ja immer auch noch bei KI Situationen gibt, wo es vielleicht mal irgendwas falsch versteht. Und auch wenn ich jetzt zum Beispiel irgendwie was selber, weil ich nicht so viel Erfahrung habe – ich bin auf einer Seite, wo ich ein Browser-Update laden soll, weil irgendeine E-Mail mir das gesagt hat, und die KI erkennt dann, dass das ein Phishing ist, dann wird die auch sozusagen entsprechend reagieren und sagen: Aus dem Grund mache ich das jetzt nicht, oder kann es nicht machen, oder solltest du das nicht machen. Also es wird halt alles sehr verbalisiert dargestellt. Und es soll im Prinzip diese Situation den Leuten weiterbringen, wenn man halt irgendwo in der Anwendung oder auf einer Webseite – also es geht auch mit Apps – irgendwo steckt, gerade niemanden Sehenden zur Verfügung hat, der da mal einen Mausklick machen kann oder der sich das angucken kann, dass man dann einfach das mit dieser Funktion lösen kann. Wirklich, wirklich eine revolutionäre Funktion, freue ich mich schon total auf den Test. Also Sie dürfen mir unbedingt eine E-Mail schicken, wenn es soweit ist. Freuen sich auch unsere Hörer dann, werden wir auf jeden Fall in den Montagsveranstaltungen testen, diese Funktion, gar keine Frage. Denn da kommen wir jetzt noch zu einem weiteren Punkt, den ich einfach noch fragen muss. Denn das Thema agentisches Browsing ist ja etwas, dem wir sehr, sehr, sehr vorsichtig gegenüberstehen. Weil die ganz, ganz, ganz schwierig sind aktuell. Punkt eins: Wir haben immer einen Account, über den das Ganze läuft. Aber diese Accounts sind, und das ist immer die Aussage der Betreiber, nicht hacking-sicher. Und das bringt uns natürlich in eine sehr kompromittierende Lage unter Umständen mit einem agentischen Browser. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Wenn so ein agentischer Browser richtig übernommen wird, dann kommt am Ende plus minus alles an, was sich bei mir so auf dem System rumtreibt. Und das ist natürlich dann ganz schnell nicht mehr lustig. beziehungsweise kommt da auch an meine gespeicherten Passwörter im Browser, und, und, und. Wie wird das Thema Hacking-Sicherheit bei diesem neuen KI-Agenten in JAWS gelöst? Also im Prinzip wird es nicht so sein, dass diese Funktion komplett eigenständig arbeitet. Also man wird ihr auch keine Passwörter oder Benutzernamen mitgeben können. Das soll nicht sein. Es ist auch nicht so, wie bei keine Ahnung Claude oder so, dass sie aufs Dateisystem Zugriff hat. Sondern es ist wirklich so gedacht, dass der Benutzer eigentlich das Zepter selbst in der Hand behält und nur eine bestimmte Aufgabe, die er halt nicht machen kann, weil es halt nicht barrierefrei ist, dann weiter delegiert. Und wir sind ja auch mit TPGi, also mit einem anderen Konzern, unterwegs. Die Funktion soll trotzdem nicht irgendwelche Leute davon entbinden, ihre Anwendungen oder ihre Webseiten nicht barrierefrei zu gestalten. Sondern das ist halt einfach so ein Notanker, den man dann hat. Also es wird kein OpenClaw oder so was werden, definitiv nicht. Also einfach eine Brücke im Endeffekt, bis sozusagen die barrierefreie Technik aufgeschlossen hat. Aber ist natürlich wirklich ein Meilenstein, weil da warten natürlich viele Leute – ich gehöre auch dazu – schon seit vielen Jahren drauf. Und das ist natürlich ein ganz, ganz großer Vorteil, wenn da im Endeffekt jetzt gerade auch, wo sich unsere Arbeit immer mehr auch in Web-Apps oder eben in manchmal halt eben sehr schnell abgedatete und dann nicht hundertprozent barrierefreie Apps erstreckt. Ein wunderschönes Beispiel ist hier der Apple-Kalender im Web, der den Anspruch hegt, barrierefrei zu sein. Wenn es doch nur wäre. Also ich denke mir dann immer so: Mein Workaround ist dann immer jetzt, ich nehme mein Handy, gucke mir die Tage an, schaue, welche Terminslots habe ich frei und trage sie dann am PC ein, weil es mir übers Handy einfach zu lang dauert, wenn ich jetzt nicht gerade schnell die Braillezeile umschalten will. Aber das ist natürlich dann auch eine Sache. Mit diesem JAWS-Agenten kann man natürlich dann auch sagen: Okay, ich habe den Tag ausgewählt, welche Termine habe ich an diesem Tag? Also das sind natürlich unglaublich viele Anwendungsfälle, wo ich ganz klar sage: Da kommen wir jetzt an einen Punkt, wo natürlich JAWS dann auch wieder ein echtes Alleinstellungsmerkmal anpackt, ne? Das ist wie damals 2020, als das OCR kam, ne? Das war erstmal ein Punkt, da konnte sowas einfach nicht damals. Und ich finde dann, das sind immer so die Momente, wo ich sage: Ja, da sieht man halt einfach auch, wo die Gelder hinfließen. Denn Entwicklung – und das muss man halt sagen –, wenn sie stetig und beständig sein soll, dann kostet sie einfach auch Geld. Haben Sie, Herr Ludwig, abschließend noch was, was Sie unseren Hörern gerne mitgeben würden? Nö, eigentlich denke ich, wir haben alles gut abgedeckt. Die Kontaktmöglichkeiten sind ja da. Sie sind dann erstmal ja immer der Ansprechpartner für Ihre Kunden. Und ich will vielleicht noch mal sagen: Wir sind wirklich – also ich bin natürlich für die Optelec-Kunden auch durchaus erster Ansprechpartner. Aber ansonsten sind wir für JAWS-Nutzer, die JAWS bei ihrem Händler erworben haben, ist immer erstmal der Händler der Ansprechpartner. Und was ich auch nochmal sagen will, ist: Wenn man in der Mailingliste, in der JAWS-Mailingliste aktiv ist – wir sind da drin, wir können aber da nicht alles lesen. Das heißt, wenn ich dort einen Fehler melde, ist der im Prinzip nicht gemeldet. Das heißt, ich habe den zwar mit den anderen Leuten geteilt, aber ich kann nicht davon ausgehen, dass wir den bearbeiten. Genau, deswegen auch immer ganz wichtig: Also es gibt den Ausdruck „geh zum Schmied und nicht zum Schmiedchen“. Also das ist in dem Fall tatsächlich so: Wenn es um wirkliche Fehler geht, dann sollten die auch immer direkt an euch gemeldet werden. Genau, und dann auch mit Angabe der wichtigen Sachen. Wichtig, einen Fehler möglichst präzise: Ich mache Schritt A, Schritt B, dann erwarte ich, dass das passiert, aber das nicht. Nicht so unspezifisch, dass man sich sozusagen alle Infos selbst suchen muss, selbst die Version nicht genannt wird oder so, dass man im Prinzip eigentlich gar nichts in der Hand hat. Da kann man natürlich dann auch nichts machen, und das vergrößert sozusagen die Mühen auf allen Seiten. Weil wir müssen dann wieder Mails schreiben, der Kunde muss zurückschreiben. Also ich kann zum Beispiel nur einen Fehler einstellen, wenn ich ihn selbst reproduzieren kann oder richtig belastbare Eckdaten habe von jemandem, der es reproduzieren kann. Ich kann es vielleicht nicht, weil ich das System nicht habe oder was auch immer. Aber ich kann dort halt auch nicht leichtfertig Sachen einstellen, die irgendjemandem mal vielleicht passiert sind, wo man aber gar nicht weiß, woran lag das jetzt eigentlich. Dann möchte ich mich erstmal ganz, ganz herzlich für Ihre Zeit und die vielen interessanten Infos bedanken, Herr Ludwig. Es hat riesig Spaß gemacht. Ja, mir auch. Danke auch. Ja, und an euch gilt natürlich wie immer: Wenn's euch gefallen hat, abonniert unseren Podcast, abonniert den Smütech, gibt's überall, wo's Podcasts gibt. Und wenn ihr Fragen habt, wisst ihr, wo ihr uns findet. Kontaktdaten gibt's auch gleich nochmal. Bis zum nächsten Mal, bleibt neugierig und selbstbestimmt, euer Jockl Joachim Schulze. Smütech. Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen, dein Spezialist für Audioanleitungen, Schulung, Fernwartung und Fritzbox-Optimierung. Mehr Infos findest du auf www.schulze-graben.de.